Bürgerantrag „Pestizidfreie Gemeinde Windeck“

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Gauss,
sehr geehrte Damen und Herren,
gerne übersende ich ihnen diese Anregungen und Beschwerden, mit der Bitte diese zu bearbeiten.

Anregungen und Beschwerden gemäß §24 der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen zum Thema:

Bürgerantrag „Pestizidfreie Gemeinde Windeck“

Zusammenfassung:

Der Rat der Gemeinde Windeck möge beschließen, dass die Gemeindeverwaltung unter Leitung der Bürgermeisterin

  1. eine Auflistung erstellt, wo, wie oft und zu welchem Zweck welche chemisch-synthetischen Pestizide (Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel, Herbizide) von der Gemeinde eingesetzt werden (z.B: Parks, Schwimmbäder, Schulen, Kulturland sowie Nichtkulturland, usw.).
  2. ein Zeit- Maßnahmenplan inkl. der notwendigen Investitions- und Unterhaltungskosten für die „Pestizidfreie Gemeinde Windeck“ erarbeitet wird.
  3. private Dienstleistungsunternehmen, die den Auftrag zur Pflege öffentlicher Flächen erhalten, ebenfalls zu einem Pestizidverzicht verpflichtet werden.
  4. private Firmen mit kommunaler Mehrheitsbeteiligung zur pestizidfreien Bewirtschaftung ihrer Liegenschaften auffordert werden.
  5. bienen- und insektenfreundliche Blühflächen oder Projekte initiiert werden.
  6. bei der Verpachtung kommunaler Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung ein Verbot des Einsatzes von Pestiziden im Pachtvertrag verankert werden.
  7. Bürger*innen über die Bedeutung von Biodiversität in der Stadt informiert und gleichzeitig Möglichkeiten zum Schutz von Bestäubern wie Bienen und Wildbienen sowie giftfreie Maßnahmen beim Gärtnern aufzeigt werden.
  8. Informationsveranstaltungen für die Bürger*innen und gewerbliche Pestizidnutzer (Landwirte, Gartenbauunternehmen, usw.) angeboten werden. Hier soll es primär um die Information über Alternativen gehen. Sehr empfehlenswert ist hier eine Informationsveranstaltung des Agrarreferenten des BUND NRW Ralf Bilke. Auch sollte es eine Filmvorführung des Films >>Das Wunder von Mals von Alexander Schiebel<< eingeplant werden. Der Film sagt mehr als 1000 Worte.

Begründung
In Windeck werden Pestizide eingesetzt, um Wege in Parks, Sport- und Spielplätzen und Grünanlagen frei von unerwünschten Kräutern und Gräsern zu halten oder um gegen ungeliebte Insekten vorzugehen. Viele der Mittel stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, die Fortpflanzung zu schädigen oder eine hormonelle Wirkung zu haben. Harald Röhrig berichte am 07.06.19 über einen aktuellen Fall im Dattenfelder Park.

Hintergrund:
Auf öffentlichen Flächen wie beispielsweise Parks, Sport- und Spielplätzen können die Wirkstoffe in direkten Kontakt mit den Bürgerinnen kommen. Insbesondere für Kinder und Schwangere ist das eine Gefahr. Auch Haustiere wie Hunde und Katzen sind den Stoffen schutzlos ausgeliefert. Für viele Tier- und Pflanzenarten sind Pestizide ein Verhängnis. Denn nicht nur die unerwünschten Wildkräuter und Insekten werden beseitigt, sondern auch Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlinge und Fledermäuse. Entweder töten und schädigen Pestizide Insekten oder Wildkräuter direkt oder sie dezimieren ihren Lebensraum und ihre Nahrung. Von den fast 600 Wildbienen-Arten in Deutschland steht rund die Hälfte auf der Roten Liste. Dabei sind Blüten besuchende Insekten unentbehrlich für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Sie erhalten die Pflanzenvielfalt und sichern landwirtschaftliche Erträge und damit unsere Ernährung.

Laut Welternährungsorganisation sind weltweit rund zwei Drittel unserer Nahrungspflanzen auf Bestäuber angewiesen. In Städten und Gemeinden sichern Honigbienen, Wildbienen und Schmetterlinge den Kleingärtnern eine gute Obsternte und den Stadt-Imkern reichlich Honig. Weltweit und auch in Deutschland erleben wir einen zunehmenden Verlust der Artenvielfalt. Grund dafür ist vor allem die intensive Landwirtschaft. Dort dominieren meist Monokulturen, die intensiv mit Pestiziden gespritzt werden. Hecken oder Blühflächen, als Rückzugsgebiete und Nahrung für viele Insekten, Vögel und Säugetiere fehlen oft komplett. Über 40.000 Tonnen Pestizide belasten jährlich in Deutschland die Umwelt, Tendenz steigend. Das Ziel der Nationalen Biodiversitätsstrategie, den Verlust von Arten zu stoppen, kann mit dem aktuellen Pestizideinsatz nicht erreicht werden.

Siedlungsgebiete sind oft letzte Rückzugsorte für bedrohte Arten, die in der Agrarlandschaft keinen Lebensraum mehr finden. Die Gemeinde Windeck sollte hier Verantwortung und eine Vorreiterrolle für den Artenschutz übernehmen, indem sie bei der Flächenpflege keine Pestizide einsetzen. Auch für die menschliche Gesundheit, die Lebensqualität und den Tourismus ist der Pestizid Verzicht ein Gewinn. Bundesweit fast 200 Städte und Kommunen sind bereits ganz oder teilweise pestizidfrei, einige von ihnen sogar schon seit über 20 Jahren. Die möglichen Maßnahmen sind vielfältig. So werden Flächen mit mehrjährigen Stauden bepflanzt, die Insekten ein ganzjähriges Blütenangebot und damit Nahrung und Lebensraum schaffen. Frühzeitiges Reinigen von Verkehrsflächen und planerische Weitsicht bei der Bebauung sind wichtige Elemente, um einen zu starken Bewuchs zu verhindern. Alternativen zur Chemiekeule sind vielfältige biologische, mechanische und thermische Verfahren. Besonders wichtig ist dabei immer die Kommunikation mit den Bürgerinnen, um die notwendige Akzeptanz zu schaffen.

Ich bitte alle Parteien diesen Antrag zu unterstützen. Informieren sie mich bitte wann und in welchem Ausschuß dieser Antrag behandelt wird.

Herzliche Grüße
Peter Inden

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