RvS Stiftung – 40 Jahre Arbeit für Völkerverständigung

Am 8. Mai wurde in einer kleinen Feier in Bonn der 40. Jahrestag der Tätigkeit der Ritter von Schlesinger Stiftung gewürdigt.

Die Deutsche Sektion der grenzübergreifenden Stiftung ist seit den 90-er Jahren in Windeck ansässig und unterhält seit 2010 nach deren Umzug aus Bonn nach Gerressen dort eine nicht öffentliche Spezialbibliothek Historischer Grundwissenschaften mit Bezug auf das östliche Europa. Sie ist stilgerecht untergebracht – bei der noch nicht abgeschlossenen Restaurierung (Dach) wurden frühere Umbauarbeiten mit dem sog. Reichsziegelformat aufgedeckt, die darauf hinweisen, dass das Objekt spätestens auf das beginnende XVIII. Jahrhundert zu datieren sei. Damit gehört es in der Substanz zu den ältesten Objekten in Gerressen.

Seit 2011 zeichnet die Deutsche Sektion federführend für das Forschungsprojekt „Eliten der Serenissima Res Publica Coronae Regni Poloniae Magnique Ducatus Lithuaniae 1385 – 1569 – 1795 und in deren Gebieten bis 1918“. Die vielfach zu beobachtende Entwurzelung des Individuums als Ergebnis gesellschaftlichen Wandels und in Folge der politisch erzwungenen Völkerwanderungen in Europa seit der sozialistischen Revolution 1917 in Russland führte die Stiftung im wissenschaftlichen Bereich zur Initiierung eines Projektes über diese kaum bekante demokratisch verfasste, pluralistisch strukturierte Wahlmonarchie mit einer Gewalteneinteilung, einem 2-Kammerreichstag und Regionalparlamenten bis auf die Kreisebene.

Das seit 2011 verfolgte deutschsprachige Projekt versteht sich als Element der Elitenerforschung der Res Publica und deren Gebiete mit einer partizipationsfähigen elektronischen Präsentation und soll frei von nationalistischen, religiösen, sprach- und grenzbezogenen Scheuklappen ganzheitlich die Problematik der staatstragenden Schicht des ersten europäischen Gebildes zusammenstellen. Ermöglicht wird das Forschungsprojekt dadurch, dass sich die Deutsche Sektion der Stiftung bei ihrer Arbeit auf eine der größten Privatbibliotheken mit der Spezialisierung auf Historische Grundwissenschaften für Osteuropa in Deutschland stützen kann.

Das Vorhaben ist auf eine anzunehmende Projektdauer von 20-25 Jahren angesetzt, wobei die ersten 5 Jahre der Vorbereitung des eigentlichen Forschungsvorhabens dienten. Im März 2018 erschienen die ersten zwei Bände der Forschungsergebnisse in der Schriftenreihe für angewandte Sozialgeschichte (StudIaS) und monatlich ist das Erscheinen von jeweils 2 Bänden vorgesehen. Obwohl die Publikationssprache allgemein Deutsch ist, erscheint das Sonderband zum 40. Jahrestag der Stiftung Juni 2018 in tschechischer Sprache.

Die „Schriftenreihe für angewandte Sozialgeschichte StudIaS“ stellt die Fortsetzung der mit Auflösung des Instituts für angewandte Sozialgeschichte (InfaS) der FU in Bonn im Jahre 1989 abgebrochenen „Schriftenreihe für sozialwissenschaftliche, genealogische, heraldische und historische Studien des Instituts für angewandte Sozialgeschichte StudIaS“ dar. In der Schriftenreihe StudIaS ist angetrebt die bis 1989 nicht mehr zur Veröffentlichung gelangten Manuskripte als auch neue Arbeiten der RvS Stiftung jeweils in einer Auflage als e-Buch und in einer als Sachbuch gedruckten Ausgabe zu realisieren.

Die StudIaS Reihen richten sich an eine breit gefächerte Grupppe von Lesern. Angefangen bei Personen, die mehr über einen entsprechenden Namen der Szlachta erfahren möchten, über versierte Genealogen und Heraldiker, welche forschungs-bedingt in Gebiete vorstoßen, in denen sie nicht bewandert sind bis zu Fachleuten wie Politologen spezialisiert auf Demokratie- und Migrationsforschung, Akkulturations-,Inkulturations- und Assimilierungsprozesse, Historiker, die sich mit Umformungen im östlichen Europa beschäftigen, bis zu langfristigen gesellschaftlichen Wandel analysierenden Soziologen. Dementsprechend beinhaltet es neben hoch spezialisierten Elementen auch Bereiche allgemeiner Einführung in die Thematik der Adelsrepublik, Genealogie und Heraldik.

ResPublica, die polnisch genannte „Rzeczpospolita“ [LIT-Respublika oder Žečpospolita, BY-Рэч Паспалітая, UA-Річ Посполита, RU-Речь Посполитая, RUT-Рѣчь Посполита], seit dem XIX. Jhdt. durch polnische Forscher auch „Republik beider Nationen“ abgekürzt „RON“ [Rzeczpospolita Obojga Narodów], ist im öffentlichen Bewusstsein in Deutschland besser bekannt unter der Bezeichnung „polnisch-litauische Adelsrepublik“ und umfasste die heutigen Territorien der Republik Polen, der Republiken Litauen, Lettland, Weißrussland sowie der Ukraine, Teile des Sondergebietes Kaliningrad und des westlichen Russlands.

Bisher fehlt es an deutschen Arbeiten, welche die multikulturellen, multireligiösen, multinationalen und multisprachlichen Familien der Staatsbürger des als Adelsrepublik bezeichneten polnisch-litauischen Doppelreiches, das seit 1385 als Personalunion und seit 1569 als Realunion in der Form einer demokratisch verfassten, föderativen Wahlmonarchie funktioniert hat, in seiner Gesamtheit nach Familien auflistet und die Forschungsergebnisse der Nachwendezeit berücksichtigt. Im Jahre 2013 jährte sich 600 Jahre der Union von Horodlo, die als Entstehung des Entstehung des Adelstandes der Res Publica angesehen werden kann – in den Sprachen des Reiches unterschiedlich bezeichnet als LIT-Didikai Respublika, PL-Szlachta Rzeczypospolitej, RU-Дворянство Речи Посполитой, UA-Шляхта Речі Посполитої und BY-Шляхта Рэчы Паспалітай.

Mit dem Forschungsprojekt „Eliten der Serenissima Res Publica Coronae Regni Poloniae Magnique Ducatus Lithuaniae 1385-1569-1795 und in deren Gebieten bis 1918“ wird eine bisherige Lücke in der Erforschung des Phänomens des ersten europäischen, demokratisch verfassten Staates in Ostmitteleuropa geschlossen, die bisher an sprachlichen und staatlichen Grenzen Halt machte.

Die fremdsprachigen Arbeiten (in polnischer-, litauischer-, russischer-, ukrainischer- und weißrussischer Sprache) sind vielfach von nationalstaatlichen Hintergründen getragen und infolgedessen als nicht objektiv anzusehen und geben dazu jeweils nur einen Ausschnitt des Sachstandes wieder.

Überdies konnte bisher die Problematik der Transliterierung/Transskribierung noch nicht einmal im Ansatz behoben werden. So besteht nicht einmal eine sachgerechte Empfehlung für Transliterierung lateinisch – kyrillisch – lateinisch Familiennamen, womit grenz- und sprachübergreifende Forschung erschwert wird. Wegen des Umfangs der Forschungsarbeit ist ein Abschluss des Projektes nicht vor dem Jahr 2030 vorgesehen. Das Projekt ist modular aufgebaut, wobei die einzelnen Module zeitversetzt bearbeitet werden können und einzeln abschließbar sind.

Die zweite gewählte Veröffentlichungsform als WIKI soll zugleich Teilnehmer und Nachkommen der großen Migrationswellen des XX. Jahrhunderts motivieren und befähigen, das elektronische Medium im Sinne einer lebendigen Geschichte und Pflege der oralen Tradition zu nutzen und dem Verlust an Quellen im XX. Jhdt. entgegen-zuwirken. Zugleich wird eine Einbindung interessierter Laien in das Vorhaben ermöglicht. Daher besitzt das Forschungsvorhaben auch eine hohe gesellschaftliche und integrative Relevanz.

Entstehung der Stiftung

Ritter von Schlesinger Stiftung, genannt nach Dr. phil. Georg Gustav Ritter von Schlesinger, Mitinitiator des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs, fördert Verständigung Völker Europas. Die Stiftung ist aus der 1978 in Aachen gegründeten Georg Gustav Ritter von Schlesinger Gesellschaft e. V. hervorgegangen und wird in dieser Rechtsform seit 2003 betrieben. Im Gedenken an die namensgebende historische Person, die sich um den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich verdient gemacht hat, widmen sich die Stiftung der Förderung der Völkerverständigung im ostmitteleuropäischen Bereich.

Aktion Polenhilfe 200.000

Die übernationale Aktivitäten begannen im Jahre 1981 mit der durch Herrn Bundespräsidenten Carl Carstens unterstützten „Aktion Polenhilfe 200.000“, welche zur Zeit der Solidarność in Zusammenarbeit mit dem Hl. Lazarus Hilfswerk e. V. durchgeführt wurde. Zugleich wurde das privatrechtliche „Polnische Kulturzentrum am Rhein“ in Bonn als Kulturmittelpunkt des Aufbruchs in Osteuropa unterstützt.

Arbeitskreis Euro-Theater

In den schwierigen Jahren nach der Proklamierung des Kriegsrechtes in Polen wurden Initiativen aus dem Bereich kultureller Zusammenarbeit wie z. B. Preisausschreiben für Plakatgestaltung für den „Arbeitskreis Euro-Theater“ vertreten im Jahr 1987 durch das Euro-Theater Central in Bonn unterstützt oder eigene Projekte im Bereich der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und Gedankenaustausches mit Osteuropa verfolgt.

Erste wissenschaftliche Tätigkeite mit der Erfassung des Adels von Großpolen

Im wissenschaftlichen Bereich waren die Stiftung zu dieser Zeit Initiator des Projektes „Erfassung des Adels von Großpolen“, welches in Zusammenarbeit mit PTPN (Posener Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften) durchgeführt wurde. Sie mündete in der späteren Publikation „Herby rycerstwa polskiego na zamku w Kórniku“, Biblioteka Kórnicka Polskiej Akademii Nauk, [Wappen der polnischenRitterschaft auf dem Schloss in Kórnik, Bibliothek in Kórnik der Polnischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.)] erschienen in Heftserie Kórnik 1988 ff, 560 Seiten.

Erstellung eines Personenregisters zum „Słownik Geograficzny“

Noch Mitte der 80-er Jahre wurde ein deutsch-polnisches Langzeitprojekt zur Erstellung eines Personenregisters zu „Słownik Geograficzny Królestwa Polskiego i innych krajów słowiańskich“ [Geographisches Wörterbuch des Königreich Polen und anderer slawischen Länder] ausgegeben von Filip Sulimierski, Bronislaw Chlebowski und Władysław Walewski in Zusammenarbeit mit ca. 700 weiteren Autoren. in 16 Bänden, Warschau 1880 ff, gestartet.

Das Geographische Wörterbuch ist eine Buchserie mit 14.785 Seiten, die Beschreibungen aller Regionen, Städte, Dörfer und anderer Orte, Berge, Flüsse und Seen des III. Königreichs Polen (Kongresspolen), in Schlesiens, Preußens und im slawischen Sprachraums enthält. Dies umfasst die baltischen, westlichen und südlichen Gubernien (Gouvernements) des Russischen Reichs, Westpreußen und Ostpreußen, das Großherzogtum Posen und Preußisch Schlesien, Galizien, Wolhynien, Podolien, Polesien, Österreichisch Schlesien, Mähren, die slowakischen Teile von Ungarn und der Bukowina, und zusätzlich auch weitere wichtige Orte in den übrigen Gubernien im europäischen Russland (als da sind Landsitze, Kirchspiele, Eisenbahnstationen etc.) mit einem Gesamtumfang von geschätzt etwa 315.000 – 350.000 Einträgen.

Das Projekt wurde nicht mehr in Druckform verlegt, da der technische Fortschritt im Jahr 1995 ein staatlich gefördertes elektronisches Gesamt-Register mit Volltextsuche ermöglichte. Nachdem noch in den 80-er Jahren ein Reprint des Gesamtwerkes erschien, veröffentlichte die PGSA im Jahre 2003 die 16 Bände des Słownik Geograficzny auf CD-ROM (DJVU-Format). Die Bedeutung dieses Werkes kann man auch an dem SlownikGeo-Projekt ermessen, welches seit Februar 2007 der Texterschließung und Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche dient.

Zusammenarbeit mit Hochschulen

Schwerpunkt der wissenschaftlichen Zusammenarbeit lagt bei den Hochschulen in Posen (Adam Mickiewicz Universität, Medizinische und Ökonomische Hochschule) sowie der Universität in Łodź und deren Bibliotheken und als Mittler zu den in Großbritannien gelegenen Exilzentren. Im Rahmen des aufgelegten Stipendiatenprogramms wurde bis zum Fall der Gewaltregime in Osteuropa ein reger Meinungsaustausch ermöglicht.

Mitwirkung in der Denkmalschutzpflege – Rittergut Gniewkowo und andere

Daneben erfolgte Mitarbeit an der Rekonstruktionen von historischen Bauten – Gut Kösal (XIX. Jhdt.), Gut Mellerhof (um 1800) in Köln, der historischen Freimaurerloge (XIX. Jhdt.) in Bonn sowie ab 2000 des Rittergutes Gniewkowo (erste Erwähnung 1390) in Großpolen. Es darf nicht vergessen werden, dass eben das sozialistische System die planmäßige Vernichtung der Denkmäler des Klassenfeindes – d. h. in erster Linie der Adelssitze der Szlachta – angeordnet hat. Im Sinne einer Orwellschen „Neusprach“ sollte nicht nur physische Liquidation erfolgen, sondern auch die Erinnerung in Form von Bauwerken getilgt werden. Auf Anweisung von Jakub Berman (PZPR) waren alle Adelssitze einer Lustration durch eine Kommission zu unterziehen. Diese Kommission sollte feststellen, dass das lustrierte Objekt nicht den Bedürfnissen desVolkes auf dem Weg zum Sozialismus genüge und daher eine Etage abzutragen ist. Nach weiteren 30 Jahren sollte das Objekt erneut begutachtet werden. Diesmal sollte die Kommission feststellen, dass das Volk auf seinem Weg vom Sozialismus zum Kommunismus soweit fortgeschritten ist, dass das Objekt in seiner derzeitigen Fom den Bedürfnissen nicht mehr genügt und es sollte abgerissen werden, sofern keine andere Verwendung als Lager oder ähnliches möglich ist. (Ergebnis der Forschungen von Prof. Dr. Stanisław Potrzebowski aus seiner Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Gotthold Rhode von der Universität Mainz).

Obwohl kaum vorstellbar, wurde dies praktiziert und erklärt auch warum von den geschätzten mehr als 20.000 Palästen und Landgütern des Jahres 1939 im heutigen Gebiet der Republik Polen nur um die 5.000 Objekte das sozialistische System überdauert haben. Die Stiftung hat hat in den Jahre 2003 – 2005 Restaurierungsmaßnahmen an dem Rittergut Gniewkowo mit dem Olendervorwerk Eichenheim, Gemeinde Kiszkowo, Republik Polen, durchgeführt. Bei der archivierten Aufnahme des Objektes wurden die Maßnahmen der Kommission aus dem Jahre 1956 festgehalten: z. B. Stellen im Mauerwerk, wo die Holzbalken des abgetragenen Geschosses verankert waren und sichtbare Fenstersimse des nicht mehr bestehenden Obergeschosses. Im Jahre 1986 wäre der Termin für die zweite Lustration gewesen, zu der es jedoch nicht mehr gekommen ist. Die Lustration der Kommission im Jahre 1956 und die anschließende „Baumaßnahme“ wurde auch bei Befragungen in mündlichen Aussagen der Mitarbeiter des ehemaligen PGR vor Ort bestätigt.

Die Güter Großpolens werden dokumentiert in einer vom Museum der Landwirtschaft verlegten Buchreihe und sind aufgebaut auf der Grundlage der Erfassungskarten zu den Objekten [kart ewidencyjnych obiektów], die (zumindest in Großpolen) unabhängig von der Erfassungsstruktur der Wojewodschaftskonservatoren geführt wird. Auf die Daten des Wojewodschaftskoservators hat das erstellende Museum der Landwirtschaft vollen Zugriff und bei einigen Bänden zeichnet die großpolnische Konservatorin sogar als Autor. Dennoch bleibt kritisch anzumerken, dass sich entsprechend der Konzeption (Erfassung der Vorwerksbauten) die Autoren offensichtlich sklavisch an die Vorgaben gehalten haben. Bei einigen Objekten – hier wieder am Beispiel des „Rittergutes Gniewkowo“ – ist auch die Bildauswahl zu hinterfragen. Das Gutshaus ist trotz der „Verkleinerung“ und mit einer Formation von 200-jährigen Thujas recht gut erhalten, dennoch wurde es nicht für würdig erachtet abgebildet zu werden. Dafür wurden jedoch sowohl im Text als auch bildlich sehr ausführlich auf 2 Seiten die weit entfernt liegenden Wirtschaftsgebäude der deutschen und niederländischen Siedlungskolonie aus dem XVIII. Jahrhundert behandelt und dies obwohl der Ursprung des Gutes über sechs Jahrhunderte zurückliegt.

Die Angaben in der Buchreihe zu den Gütern in Großpolen bezüglich der Eigentumsverhältnisse im XX. Jahrhundert, oder zumindest aus Quellen der Zeit der Volksdemokratie, sind mit Vorsicht zu behandeln. Auch hier wieder am Beispielobjekt von Gniewkowo wird im Band IX, Teil 1, Seite 106 – 108 angegeben: „Po 1946 r. utworzono tu spółdzielnię produkcyjną, która rozpadła się w 1957 r. i ziemie oraz zabudowania przeszły w ręce prywatne 15“. [Nach 1946 wurde hier eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft gebildet, die im Jahre 1957 zerfiel und die Grundstücke mit den Bebauungen sind in Privateigentum übergegangen. Anmerkung Nr. 15 ]. Unter dem Verweis Nr. 15 ist das Archiv des Wojewodschaftskonservator von Großposen in Posen gemeint, auf das Bezug genommen wird.

Obwohl die Angabe, dass ein Teil der Gesamtanlage um das Jahr 1930 Herr Antoni Kajser erwarb, für die einen Halben Kilometer entfernt liegenden Wirtschaftsgebäude der deutschen und niederländischen Siedlungskolonie aus dem XVIII. Jahrhundert zutrifft, ist die Gesamtaussage fehlerhaft und irreführend. Tatsächlich wurde nach der ersten Kommission aus dem Jahre 1956 ein Teil des Gutsbesitzes an die lokalekommunistische Nomenklatura verkauft, aber es waren eben diese separat liegenden und bewirtschafteten Gebäude der Siedlungskolonie Eichenheim und nicht das Gut selber. Das Gut befand sich und befindet sich bis heute unter staatlicher (Zwangs-)Verwaltung. Diese Angabe ist nachweislich fehlerhaft, denn die Stiftung hat in den Jahren 2003 – 2005 mit den vier Töchtern des letzten Eigentümer Władysław Jagliński h. Tarnawa, dem das Objekt weggenommen worden ist, bezüglich einer Abtretung deren Restituierungsansprüche ausführliche Verhandlungen in Schlesien und auf Florida geführt.

Die Verifizierung der Grundbücher als auch notariellen Dokumente ergab keine Eigentumsübertragung seit der Übernahme in die staatliche Verwaltung. Hierbei wurde nebenbei ein denkwürdiges Schauspiel aus der nachkommunistischen Ära aufgedeckt. Über die Jahrhunderte – auch in der sozialistischen Zeit – hindurch haben die Grundbücher als „akta dworu rycerskiego Gniewkowo“ [Akten des Rittergutes Gniewkowo] überdauert. Bis, ja, bis nach dem Jahr 2000; in der neuen Zeit sie politisch „korrekt“ demokratisiert wurden und deren Bezeichnung in klassenkämpferischer Manier aus dem Grundbuchnamen getilgt wurde. Und hier schließt sich der Kreis zu dem eingangs Behaupteten.

Dennoch ist es nicht nur eine Falschangabe. Offensichtlich sollte mit dieser Formulierung der nachstehende Umstand kaschiert werden: Das Rittergut überstand den Zweiten Weltkrieg in einem fast optimalen Zustand und wurde von jedweder Devastation verschont. Nicht einmal die Plünderungen durch die Rote Armee im Jahre 1945 haben ihm – möglicher Weise wegen seiner etwas abseitigen Lage – etwas angehabt. Dies bedeutet konkret: Der ca. 4 Ha große Gutspark war mit einer Mauer aus Natursteinen umgeben in die kunstschmiedeeisernen Felder auf einer Gesamtlänge von ca. 800 laufenden Metern eingelassen waren. Sowohl das Gutshaus als auch die verschiedenen aus Naturstein oder Brandziegel gemauerten Wirtschaftsgebäude von ca. 4.000 m2 waren in einem einwandfreien Zustand. Die Gutseinrichtung war nicht geplündert. Nach Zeugenaussagen von Mitarbeitern des ehemaligen PGR wurden bis zum Jahre 1960 die gesamten Schmiedeeisenfelder der Umfassungsmauer gestohlen und alle Wirtschaftsgebäude sind durch spielende Kinder nacheinander abgefackelt worden. Durch den „Rückbau“ des Gutshauses in den Jahren 1956-1957 wurde die Statik des Gutshauses so beschädigt, dass die zwangsseinquartierten Familien in Eigenleistung die Decken mit Eisenträgern unterbauen mussten.

Sollte möglicher Weise mit schwammigen Formulierung im vielen polnischsprachigen Werken die staatliche Verantwortung für unter Zwangsverwaltung genommene Objekte verschleiert werden? Diese Überlegung ist nicht ohne Bedeutung vor dem Hintergrund, dass bei dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg viele Beschwerden eingelegt wurden, denn die Republik Polen ist das einzige Land im östlichen Europa, welches obwohl der EU-zugehörig, die Opfer der Menschenrechtsverletzungen der sozialistischen Epoche bis heute nicht entschädigt hat.

Museum der Entwicklung von Blank- und Schusswaffen

Bereits in der Rechtsform als Stiftung wurde das Projekt „Museum der Entwicklung von Blank- und Schusswaffen“ mit Sitz im Rittergut Gniewkowo initiiert, welches auf Grund massiver Eigentumsdelikte im Jahre 2005 aufgegeben werden musste.

Ritterturm in Boberröhrsdorf (Wieża rycerska Siedlęcin)

Höhepunkt der wissenschaftlichen Arbeit bildete zweifelsohne das Projekt der Erfassung des Ritterturmes in Boberröhrsdorf (Wieża rycerska Siedlęcin) mit seinem gotischen Gebäude (vermutlich 1313/1314 errichtet), der vom Erbauer Herzog Heinrich I. von Jauer wahrscheinlich ursprünglich bis 1368 als Herzogssitz genutzt wurde. Der Ort wurde 1305 als Rudgersdorf erstmals erwähnt. Weitere Namensformen waren 1369 Rudigersdorff, 1668: Boberröhrsdorff, 1687 Bober Röhrsdorff und nach der preussischen Annexion 1786 Bober-Röhrsdorf. 1905 wurde die Schreibweise Boberröhrsdorf eingeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Dorf zu Polen und im Jahre 1945 fanden zunächst die Namen Borowice, Bobrowice, Sobięcin Verwendung; seit 1946 lautet die Ortsbezeichnung Siedlęcin. Der „Ritterturm“ zeichnet sich durch einmalige Abbildungen der Tafelrunde König Artus aus. Sie wurden in Polychromie (Vielfarbigkeit) mit der Technik Seccomalerei (auch Sekkomalerei, Trockenmalerei) ausgeführt. Diese besondere Technik (von italienisch al secco – aufs Trockene), bezeichnet eine Wandmalerei, die – im Gegensatz zum Malen al fresco – nicht auf den frischen, noch feuchten Kalkputz, sondern auf das schon trockene Mauerwerk aufgebracht wird. Als Polychromie wird in Malerei, Kunsthandwerk, Skulptur und Baukunst angewendete farbige Gestaltung bezeichnet.

Die kunsthistorisch bedeutenden gotischen Wandmalereien im großen Saal im 3. Stockwerk des Wohnturms wurden bereits 1880 entdeckt. Der Maler stammte aus dem Gebiet der heutigenNordschweiz. Einige Wandgemälde sind auch hinsichtlich ihres weltlichen Inhalts einzigartig, sie stellen Szenen aus der Artuslegende dar. Sie sind zudem die einzigen mittelalterlichen Malereien in Europa, die mit Lancelot einen Ritter der Tafelrunde zeigen. Es finden sich aber auch Darstellungen religiösen Inhalts wie das himmlische Jerusalem am Gewölbe oder der heilige Christophorus, der Schutzherr aller Ritter und ein Vorbild der standhaften Treue gegenüber seinem Herrn Christus, also ein Vorbild eines guten Christen und Vasallen. Trotz der frühen Wiederentdeckung der Malereien, wurde sie in ihrer Bedeutung bis zur Tätigkeit unser Stiftung nicht begriffen. Mit deren Zeitbestimmung um 1355/1356 konnte die Datierung nicht nur präzisiert werden, sondern die angenommene Zeit des ersten Auftretens der Darstellung Lancelots (französisch: Lancelot du Lac, englisch: Lancelot of the Lake, deutsch: Lanzelot vom See oder Lancelot von der Quelle, einer Sagenfigur der mittelalterlichen Artusromane) auf dem Kontinent erheblich früher als bisher datiert werden. Sie ist damit die älteste Abbildung der Tafelrunde König Artus im kontinentalen Europa. Das Objekt ist mittlerer Weile durch Bemühen der Stiftung als UNESCO-Weltkulturdenkmal eingetragen. Der Turm ist neben einer Furt durch den Bober am Weg von Prag nach Breslau entstanden und war ursprünglich von Befestigungen umgeben, die bis 1840 eingeebnet wurden. Während des 2. Weltkrieges wurden private Kunstgüter aus Berlin in verschiedene schlesische Schlösser ausgelagert, u. a. in den Wohnturm Boberröhrsdorf, wo sie nach Kriegsende von der Roten Armee beschlagnahmt und in die UdSSR verbracht wurden.

Das Coron Archäologie Projekt

Weiterhin leitete die Stiftung das deutschsprachige „Coron Archäologie Projekt“, eine Erfassung von Wrack-Objekten auf Palawan in den Philippinen, an einem der drei größten Unterwasserfriedhöfe der Welt aus dem WK II in einer elektronischen Datenbank im Internet. Das Projekt wurde nach vorläufigem Abschluss am 1. 1. 2012 zur weiteren Verfolgung lokalen Stellen übereignet. Teilnahme am 25. Jubiläumskongress Historischer Hilfswissenschaften in Moskau Zur Teilnahme am 25. Jubiläumskongress Historischer Hilfswissenschaften der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau (Januar/Februar 2013) wurde das Referat „Auswertung der Adelsproben derKanoniker der Kathedrale von Płock unter dem Gesichtspunkt der Ermittlung des Anteils verdunkelten Adels innerhalb der Szlachta der Adelsrepublik (Wywody kanoników katedralnych płockich sygn. 8-25), vorbereitet. Gesellschaftspolitische Arbeit begann mit der Aktion „Eigentumsschutz jetzt!“ Ab Mitte der 90-er Jahre verlagerten sich die Aufgaben im nicht wissenschaftlichen Bereich auf den Schutz von Menschenrechten, überwiegend im Bereich der Menschenrechtsverletzungen in der Republik Polen. So übernahm die Stiftung in Polen die Schirmherrschaft der landesweiten Aktion „Eigentumsschutz jetzt!“.

Hilfe bei Rehabilitierungsverfahren

Die Stiftung hat bei zwei Rehabilitationsverfahren die Opferfamilien unterstützt. Diese Verfahren, die seit dem Jahr 1945 gegen die betroffenen Familien unter der Ägide des Strafrechts der Republik Polen geführt wurden, konnten nach 62 Jahren! Verfahrensdauer mit Hilfe der Stiftung zur Rehabilitation in beiden Fällen geführt werden. Sie stellen vermutlich die längsten weltweit bekannten Starafverfahren der Welt dar.

Beschwerden beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg

Die vorgenannten Fälle führten dazu, dass sich derzeit 5 Beschwerden gegen die Republik Polen (wegen allgemeiner Menschenrechtsverstösse und der Umwälzung von Kosten des Sozialstaates auf die Eigentümer) zur Entscheidung beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg befinden, die RvSF Stiftung unterstützt.

Schaffung von Öffentlichkeit bei Gerichtsverfahren in Polen

Aus der Erkenntnis, dass publikumswirksame Aktivitäten erforderlich sind, um den freiheitseinschränkenden Maßnahmen der Bürokratie im sich vereinigenden Europa entgegenzuwirken, wurde ab 2008 die Human Rights Watch Europe Foundation (HRWE) aktiv unterstützt. Um sachfremden Einwirkungen bei Gerichtsverfahren in der Republik Polen entgegen zu wirken ist es erforderlich Öffentlichkeit bei Gerichtsverfahren durch ehrenamtliche Gerichtsbeobachter sicherzustellen. Daher wurden der HRWE aus dem Bestand der Stiftung in Polen Räumlichkeiten bereitgestellt.

Aktion „Voice of Freedom“

Im europäischen Rahmen beteiligte sich die Stiftung ab 2010an der Vorbereitung der Aktion „Voice of Freedom“. In einer 2 Jahre dauernden Europaumrundung sollte die Yacht der HRWE, „Voice of Freedom“, Häfen in 41 Staaten anlaufen und gegen die Einschränkung der Individualfreiheiten durch fast eine Viertel Million Verboten und Geboten in der Europäischen Union und fortschreitende Verbürokratisierung protestieren. In den EU-Ländern sollte das Bewusstsein für die fortwährenden Einschränkung der Individualrechte geschärft werden; die der EU nicht angehörenden Staaten sollten sensibilisiert werden, nicht alle EU-Errungenschaften bedenkenlos zu übernehmen. Beginn der Aktion sollte von Passau die Donau entlang bis nach Odessa und entlang dem Schwarzen Meer über die Dardanellen in die Levante erfolgen. Es war vorgesehen, die Wasserroute durch eine landgestützte zweite Route für die Reiseorganisation und die mediengerechte Vorbereitung der Aktion zu flankieren. Der Ausbruch des Arabischen Frühlings von Algerien bis Syrien hat das Risiko für die ehrenamtlichen Crews gesteigert, so dass es unverantwortlich wäre, sie nicht kalkulierbaren Gefahren auszusetzen. Daher musste bereits die in der ersten Phase (bis Istanbul) komplett vorbereitete Aktion abgesagt werden.

„Landschaftspark der Fürsten Chowanski des Wappens Pogoń Litewska“ [park krajobrazowy imienia ks. Chowańskich herbu Pogoń Litewska]

Im Jahre 2013 errichtete die Stiftung in Zmyślona Ligocka, Kreis Ostrzeszów [Schildberg], Wojewodschaft Großpolen unmittelbar an der Grenze zu Niederschlesien auf 50 Ha einen „Landschaftspark der Fürsten Chowanski des Wappens Pogoń Litewska“ [park krajobrazowy imienia ks. Chowańskich herbu Pogoń Litewska]. Diese Bezeichnung wurde gewählt zum Gedächnis an die in der Zeit des Zaren Iwan Grozny aus dem Großfürstentum Moskau in die Res Publica Serenissima zurückgeflüchteten Linien dieser dynastischen Familie des Großfürsten Gediminas von Litauen.

Zusammenfassung der 40 Jahre Aktivität

Über 40 Jahre konnten durch hohen persönlichen und finanziellen Einsatz der in der Stiftung Aktiven bisher alle Aktivitäten ohne Abhängigkeit von willkürlichen staatlichen Maßnahmen und politischer Einflussnahme getätigt werden.

Die Stiftung ist landesübergreifend und blockunabhängig überwiegend über vier Landessektionen tätig, die jeweil von einem Vorstandsmitglied der Stiftung geleitet werden:

  1. Deutsche Sektion (Zuständigkeit für Deutschland, Österreich, die Schweiz und die Länder der Hl. Wenzelskrone)
  2. Polnische Sektion (Zuständigkeit für Polen)
  3. Ukrainische Sektion (Zuständigkeit für die Ukraine und die westlichen Gubernien Russlands)
  4. Weißrussische Sektion (Zuständigkeit für Litauen und Weißrussland)

Daher ist die Ritter von Schlesinger Stiftung auf Spenden und Zuwendungen angewiesen, um weiterhin neutral Finger in die Wunden unser Gesellschaft im XXI. Jahrhundert legen zu können.

Edward von Schlesinger

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